Attentat in Frankreich: Chefradakteur des Titanic Magazins Tim Wolff im Interview

Attentat in Frankreich: Chefradakteur des Titanic Magazins Tim Wolff im Interview

Nach Terroranschlag in Paris: Los, Du hast in Panik zu verfallen!
Schaut mal genau hin, denn wie oft versucht der Nachtmagazinmoderator Sven Lorig dem Chefredakteur des Titanic-Magazin Tim Wolff zu suggerieren, dass er doch nun endlich Angst und Panik zu haben hat, nach dem schrecklichen Anschlag in Paris… Geil ist aber dessen gelassene Reaktion. RESPEKT und kein Wunder, dass dieses Interview keine Verbreitung gefunden hat!

Danke an Tim Wolff vom Titanic Magazin! Und DANKE an Jörg Cölsmann! Wahre Worte.

Zusätzlich schreibt das Titanic Magazin auf seiner Website:

von Tim Wolff, Chefredakteur TITANIC 08.01.2015

Es ist anläßlich der fürchterlichen Morde in Paris wohl nötig, mal wieder Grundsätzliches über Komik und Satire zu sagen. Denn nicht nur islamistischen Terroristen, so unsere Erfahrung bei der Titanic, fehlt es da an der Grundausstattung. Komik ist zu allererst ein Mittel, dem Ernst des Lebens, der die meisten von uns bedrückt, selbst wenn nicht gerade Raketenwerfer in Redaktionsräumen abgefeuert werden, etwas entgegenzusetzen, im besten Falle seiner Herr zu werden. Und je ernster die Lage, desto wichtiger der Humor. Komik schafft Distanz zu bedrückenden Ereignissen, sie erlaubt, uneigentlich über eigentlich Unerträgliches zu sprechen – und so den Schrecken zu bekämpfen. Sehr viele Komikunkundige, ob Islamisten, Rassisten oder deutsche Durchschnittsjournalisten, begehen meist den Fehler, einen Witz auf einen unkomischen, ernsten (und zumeist noch auf einem Mißverständnis beruhenden) Aussagekern herunterbrechen zu wollen. Die einen, weil sie den Witz auslöschen wollen; die anderen, weil sie glauben, Satire und Komik zu ernsten Themen sei nur angebracht, wenn sie „wertvoll“, „geistreich“ oder was auch immer ist.

Es ist natürlich schöner, wenn Komik auch noch eine kluge Botschaft transportiert, aber sie ist auch ohne sehr viel wert. Das müßten die meisten Menschen eigentlich wissen, denn sie praktizieren es privat. Als etwa gestern ca. 100 Journalisten Interviews und Statements von mir haben wollten, fielen immer wieder Wendungen wie „Wir wollten Sie nicht überfallen“ oder „Schießen Sie los“ – und was taten diese Leute, als Ihnen auffiel, was sie da gerade versehentlich, aus Routine gesagt hatten? Sie lachten. Nicht etwa, weil sie sich damit über die ermordeten Satiriker lustig machten, sondern weil ihre üblichen Phrasen auf einmal in einem anderen Kontext standen, eine Bedeutung bekamen, die sie nicht haben sollten. Dahinter steckt keine wertvolle Aussage, es nimmt schlicht für einen Moment dem Ernst die Macht.

Und das dürfte der Grund sein, weswegen Fanatiker, speziell religiöse, Komik verachten. Sie vertreten eine todernste, einzige ewige Wahrheit, und der Witz – egal wie klug oder lustig er im Einzelfalle sein mag – bedroht diese Wahrheit. Religion (und so manch andere Weltanschauung) ist Wahnsinn im Kleide der Rationalität, Satire und Komik Rationalität im Kleide des Wahnsinns. Das eine muß das andere mißverstehen. Deshalb werden Vertreter des heiligen Ernstes der Komik stets mit Zorn begegnen. Und es ist ihr gutes Recht. Solange sie dies mit denselben Waffen wie Satiriker tun: mit Wort und Bild. Und nicht mit Maschinenpistolen.

Seit gestern gilt mehr denn je: Es lebe der Witz. Der kluge. Der platte. Jeder, der genügend Menschen findet, die über ihn lachen. Und für alle, die ihn nicht mögen, sollte mehr denn je gelten: Ertragt ihn oder ignoriert ihn. Ihr werdet der Komik nicht Herr!

(Dieser Text ist zuerst als Gastbeitrag auf „n-tv online“ erschienen.)

Liveticker in eigener Sache 07.01.2015

+++ Nach einem Anschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo reagiert die TITANIC-Redaktion mit Solidarität („Au weia!“) und Standfestigkeit („Wir machen weiter Witze – gleich nach der Mittagspause!“) +++ UPDATE: Erste Versehrte sind zu beklagen, Kopfschmerzen nach lästigen Anrufen („Hallo, Gamperl vom Tittlinger Wochenblatt, hätten Sie ein Statement für uns?“) und dem Lesen von Facebook-Kommentaren („Ihr Feiglinge Warum habt ihr euch Nicht erschiessen lassen?? Seit wohl zu feig dazu was?“) +++ UPDATE: Langsam verfestigt sich redaktionsintern die Meinung, daß Mord „eher nicht so gut“ wäre, Anschläge auf Satiremagazine „unangenehm“. +++ TERRORHINWEIS: Für 16 Uhr ist in der TITANIC-Redaktion eine Pressekonferenz angesetzt, bei der RTL, Hessischer Rundfunk, Frankfurter Rundschau und sämtliche weitere Privat- und Systemmedien anwesend sind. Für Terroristen bietet sich hier die Möglichkeit, nicht nur eine Satireredaktion auszulöschen, sondern auch die gesamte deutsche Lügenpresse. Es gibt Schnittchen (hinterher)!

Quelle: http://www.titanic-magazin.de/newsticker/

TITANIC? Finden wir gut.

There are 3 comments for this article
  1. Daniel at 22:44

    Interessant, der Panik-Presse mal bei der Arbeit zuzusehen. Dank einer vielfältigen Betrachtung der Lage im Vorfeld, fällt die manipulative Frageweise des Moderators dem geübten Spülgel-Leser sofort auf.
    Toll, wie cool Sven Lorig hier reagiert! :-)

    • Daniel at 10:56

      Korrektur: Sven Lorig reagiert im Sinne der Seinen natürlich auch cool, da er immer wieder nachhakt und nicht ablässt. Ich meinte jedoch natürlich Tim Wolff, der für mich eindeutig der coolere ist ;-)

  2. Ullum at 23:20

    Liebe Titanics,
    solange die „Lügenpresse“ bei Euch zu Gast ist seid Ihr bestimmt sicher. Es bleibt abzuwarten, welche Terroristen den Anschlag in Paris ausgeheckt und durchgezogen haben. Die Personalausweisnummer kennen wir doch schon aus 9/11. Denkt Euch Euren Teil und beobachtet, wie die Ereignisse von der Brainwashpresse benutzt werden werden um den Boden für Unfrieden zu bereiten… um so schöner, dass Tim Wolff den Sven Lorig alleine lässt mit seiner versuchten Panikmache. Mein Vorredner meinte (hoffentlich) auch Tim Wolff als cool reagierend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.